EINBLICKE IN DIE PERSÖNLICHKEITSFINDUNG
Nachdem die digitale Fotografie jahrelang hauptsächlich die Kamerabesitzer selbst zum Motiv hatte, wird das Augenmerk jetzt auf lästige Anhängsel derselben Leute gelegt: Taschen und ihre Insassen. Ein ganzer Sturm von Offenbarungen zieht über flickr.com: “Wer bin ich?” heißt dort “What’s in my bag?”
Die Sachen, die Mann oder Frau tagtäglich mit sich rumführt, werden zur Persönlichkeitsfindung in einen Zustand versetzt, der an die Zeit vor ihrem Erwerb erinnert. Herausgeputzt, drappiert und katalogisiert. Hallo Warenfetisch! Beutel, Rucksack oder Handtasche werden an den Bildrand geschleudert oder ganz außer Sichtweite gerückt. Und schon erscheint auch diese Bekenntnispraktik nicht ganz ehrlich.
Denn wo sind die Kopfhörerkabel, die sich in Haarbürsten verfangen und Tampons, die sich in Fingerhandschuhe verirren? Die rotzigen Taschentücher, die die Haustürschlüssel einwickeln? Die besonderen Handy-Exemplare, die ohne menschliches Zutun einfach irgendwen anrufen, weil sie vom Portemonnaie ge- bzw. erpresst werden?
Und überhaupt… Was ist mit dem Leben passiert?

