KLEBEN
EINIGE GEDANKEN ZU EIN PAAR VARIANTEN DER VERBINDUNGSTECHNIK
Alleskleber
Mit dem Alleskleber kann alles geklebt werden. Alles ist in diesem Fall aber nicht Alles. Meistens bedeutet alles; Holz, Holzwerkstoffe, viele Kunststoffe, Keramik, Porzellan, Glas, Leder, Textilien, Filz, Kork, Metall, Pappe, Karton und Styropor. Möchte jemand wirklich alles im Sinne von Alles kleben, ist die Verwendung von Sekundenkleber zu empfehlen. Nur damit können diejenigen, die sich getrennt haben, ihre Beziehung dauerhaft wieder kitten.
Tesafilm
Nach dem Verbrauch des Tesafilms bleibt ein heller Papp- oder Plastikring mit etwa 1 cm Höhe und einem Durchmesser von ca. 4 cm zurück. Dieser Ring hat sich nach mehreren Jahrzehnten immer wieder als nutzlos erwiesen und wird daher im Müll entsorgt.

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Heißklebepistole
Die Heißklebepistole entspricht der Umkehrfunktion aller anderen geläufigen Pistolen. Sie setzt keine Energie frei, sondern sie wird ihr zugeführt. Sie schießt nicht, sondern schmiert, zerstört nichts, sondern verbindet alles (Mögliche).
Sticker
Durch ihr einseitiges adhäsives Verhalten bleibt das Dasein der selbstklebenden Abziehbilder immer oberflächlich. Sticker sind im Gegensatz zu ihren weltoffenen Verwandten nicht dazu in der Lage, sich in verschiedenen Konstellationen einzuschleimen und dabei haltbare Bindungen herzustellen. Sie werden als selbst-klebend verschmäht, weil sie nur an sich denken und dabei auch noch in flächendeckender Rücksichtslosigkeit die Außenseiten dieser Welt belästigen. Sticker sind Ekzentriker, wollen auffallen und belagern seit jeher die Orte mit der höchstwahrscheinlichsten Aufmerksamkeit; Straßenlaternen, Mülleimer und Klodeckel. Lösungsmittel gegen die unaufhaltsame Einwanderung der Egomanen sind rar. Nur die Gegenbewegung des gemeinschaftlichen Leckens über den Rücken der Briefmarken scheint ein wenig Besserung zu versprechen.
Gaffer Tape
Neben dem Paketklebeband wohl eines der beliebtesten Utensilien, mit denen im Film Menschen an Stühle gefesselt und stranguliert werden. Wahrscheinlich deshalb, weil das universale Superklebeband am Set immer schon im Überschuss vorhanden war. Der Name ‘Gaffer’ geht schließlich auf die Bezeichnung für den Oberbeleuchter (engl. ‘chief lighting technician’) zurück:
„Early films used mostly natural light, which stagehands controlled with large tent cloths using long poles called gaffs (stagehands were often beached sailors or longshoremen, and a gaff is a type of boom on a sailing ship).“ IMDB Glossar
KERATINPLATTE
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ausgezogen
auf kalten fliesen
rutscht man
nicht mehr
die finger
gehen den weg
durch die fugen
und sammeln
splitter-
nackte gelenke
der hand
bleibt nichts übrig
zum kratzen!
miau
SCHNUPFEN
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sieh zu
dass du
was zu sagen
hast,
hat mit dir
nichts zu tun
zu haben
hört sich schlimmer an
als es ist.
DER GUTE DRAHT
WER HAT ANGST VOR DER SCHWIEGERMUTTER?
Einige Papiere haben einen guten Draht zueinander. Die meisten nicht so. Zum Beispiel die mit hohem Kraftaufwand gelochten und in hässlichen Schnellheftern weggesperrten Kopien. Oder die mit Nummern geprägten Seiten, die mit schmierigem Klebstoff in ein monumentales Format “Buch” gebracht werden. Die Papiere von heute wollen nicht mehr diese engen Bindungen eingehen. Viele können das auch gar nicht, weil sie in schlechten Verhältnissen aufgewachsen sind und schon immer ein unorganisiertes Single-Dasein in einer losen Blattsammlung führen.
Ein Großteil der Papiere begibt sich entweder in eine offene und flexible Beziehung oder geht schlagartige und kurzfristige Partnerschaften ein, die jedoch hässliche Spuren hinterlassen. Diese Geschädigten, Getackerten, fragen – leicht geknickt – die typografierten Kommunen: “Was hält euch eigentlich zusammen?” Es ist kein unsichtbares Band oder die große Liebe, da sind sich alle einig. Es ist ein kleines, längliches und drei Mal nach rechts gebogenes Stück Metall. Ein guter Draht eben.
WHAT’S IN MY BAG?
EINBLICKE IN DIE PERSÖNLICHKEITSFINDUNG
Nachdem die digitale Fotografie jahrelang hauptsächlich die Kamerabesitzer selbst zum Motiv hatte, wird das Augenmerk jetzt auf lästige Anhängsel derselben Leute gelegt: Taschen und ihre Insassen. Ein ganzer Sturm von Offenbarungen zieht über flickr.com: “Wer bin ich?” heißt dort “What’s in my bag?”
Die Sachen, die Mann oder Frau tagtäglich mit sich rumführt, werden zur Persönlichkeitsfindung in einen Zustand versetzt, der an die Zeit vor ihrem Erwerb erinnert. Herausgeputzt, drappiert und katalogisiert. Hallo Warenfetisch! Beutel, Rucksack oder Handtasche werden an den Bildrand geschleudert oder ganz außer Sichtweite gerückt. Und schon erscheint auch diese Bekenntnispraktik nicht ganz ehrlich.
Denn wo sind die Kopfhörerkabel, die sich in Haarbürsten verfangen und Tampons, die sich in Fingerhandschuhe verirren? Die rotzigen Taschentücher, die die Haustürschlüssel einwickeln? Die besonderen Handy-Exemplare, die ohne menschliches Zutun einfach irgendwen anrufen, weil sie vom Portemonnaie ge- bzw. erpresst werden?
Und überhaupt… Was ist mit dem Leben passiert?

